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Grüner Knopf – Was bringt das Textil-Siegel?

4 Minuten Lesezeit

Mit dem Grünen Knopf soll die Produktion von Textilien fairer werden

Die Zustände in der Textilindustrie sind nach wie vor häufig menschenunwürdig. Mit dem Textilsigel „Grüner Knopf“ will die Bundesregierung Kleidung kennzeichnen, die gewisse soziale und umwelttechnische Standards einhält.



Nach dem Tod von mehr als tausend Menschen beim Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch 2014 initiierte der deutsche Umweltminister Müller zusammen mit einigen Unternehmen ein „Textilbündnis“, das für höhere Standards in der Textilbranche sorgen soll.

Ein Ergebnis dieses Bündnisses ist das im September 2019 ins Leben gerufene Textilsiegel „Grüner Kopf“. Ziel: die Produktionsstandards für Mensch und Umwelt verbessern und Transparenz zu für die Verbraucher zu schaffen.

Denn: Im Dschungel der unzähligen Sigel ist es für die Verbraucher schwer den Überblick zu behalten. Hier kann der Grüne Knopf für Transparenz sorgen, denn als Meta Siegel deckt der Grüne Knopf nicht nur einzelne Aspekte wie faire Löhne ab, sondern soll sämtliche Aspekte der Produktion berücksichtigen.

Auch soll der Grüne Knopf bereits bestehende Siegel anerkennen. Manch anerkanntes Siegel wie das GOTS-Zertifikat ist allerdings nicht berücksichtigt.

Der Grüne Knopf ist als Label am jeweiligen Produkt befestigt und für die Verbraucher im Nu zu finden. Doch was verbessert sich durch den Grünen Knopf? Gibt es wirklich bessere Produktionsbedingungen oder ist es am Ende doch nur Greenwashing?

Welche Kriterien gelten für den Grünen Knopf?

Um das herauszufinden schauen wir uns einmal an, welche Kriterien erfüllt werden müssen, um den Grünen Knopf zu erhalten.

Die Kriterien für den Grünen Knopf lassen sich im wesentlichen auf zwei Bereiche aufteilen:

  1. Das Unternehmen
  2. Das Produkt

Die Unternehmen

Hier werden die Unternehmen in die Pflicht genommen, um zu vermeiden, dass sich Tragödien wie Rana Plaza wiederholen.

20 Kriterien müssen erfüllt sein, um den Grünen Knopf zu erhalten. Diese beziehen sich unter anderem auf:

  • Arbeitsbedingungen
  • Mindestlöhne
  • Das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit

Dabei werden jedoch nur einige wenige Teile der Produktionskette, wie Nähen und Zuschneiden und Färben und Bleichen berücksichtigt.

Häufig wird durch die Herstellung von Textilien die Umwelt verschmutzt

Alle weiteren Produktionsschritte haben keine Auswirkung auf die Vergabe des Grünen Knopfs. So kann ein verarbeitender Betrieb irgendwo Ware einkaufen, die unter schlechten Bedingungen produziert wurde und dennoch den Grünen Knopf erhalten.

Auch wird eine Produktion innerhalb der EU nicht kontrolliert, auch wenn die Produktionsbedingungen sich in einzelnen EU Ländern deutlich unterscheiden.

Produktkriterien

Bei den Produktkriterien geht es vor allem um Umweltschutz und Nachhaltigkeit. So ist die Verwendung umweltschädlicher Stoffe wie Weichmacher oder bestimmte Chemikalien verboten.

Insgesamt 26 produktbezogene Kriterien müssen erfüllt sein, um einen Grünen Knopf zu erhalten.

Welche Unternehmen machen beim Grünen Knopf mit?

Wenn du in Zukunft Produkte mit dem Grünen Knopf kaufen willst, kannst du bereits auf 27 vertrauen, darunter sind:

  • Aldi (Nord & Süd)
  • Tchibo
  • Lidl
  • Vaude
  • Trigema
  • Derbe

Eine vollständige und stets aktuelle Übersicht der unternehmen mit dem Grünen Kopf findest du hier.

Wie geht es weiter?

Der Grüne Knopf befindet sich aktuell in einer Einführungsphase, deren Ergebnisse bis Juni 2021 vorliegen sollen. Geplant ist auch, einzelne Prüfverfahren im Laufe dieser Zeit zu optimieren.

Darunter fallen vor allem die Bereiche Weben und Spinnen und Baumwollanbau beziehungsweise Faserproduktion. Sobald hier entsprechenden Standards definiert sind, könnte der Grüne Kopf die komplette Produktionskette abdecken.

Auch geplant ist, das Siegel an der Kleidung um einen QR Code zu erweitern, anhand dessen Kunden erkennen können, wo und vor allem wie das Kleidungsstück gefertigt wurde.

Auch die Kriterien sollen noch erweitert werden. So soll sichergestellt werden, dass nicht nur der Mindestlohn sondern ein existenzsicherndes Gehalt gezahlt wird.

Lob und Kritik zum Grünen Knopf

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass der deutsche Staat versucht die Produktions- und Umweltstandards in der Textilbranche zu verbessern.

Ein valider Kritikpunkt ist die Freiwilligkeit, die viele Unternehmen davon abhält sich um den Grünen Knopf zu bemühen. Denn häufig ist noch immer der Preis ein wichtigeres Kaufkriterium als Nachhaltigkeit.

Eine gesetzliche Regelung hätte Auswirkungen auf die gesamte Fashion-Branche in Deutschland. Davor schreckt man aber noch zurück.

Für mehr nachhaltige Mode im Schaufenster: Der Grüne Knopf

Auch von bereits nachhaltig produzierenden Unternehmen kommt Kritik: Hier werden die Kriterien für die Vergabe des Grünen Knopfs als nicht ausreichend angesehen.

Allerdings sollte man im Hinterkopf haben, dass bereits fair produzierende Unternehmen mit Produkten, die den grünen Knopf tragen in Konkurrenz um nachhaltig orientierte Kundschaft treten.

Was nicht bedeutet, dass die Kritik zumindest zum Teil berechtigt ist. Beispielsweise berücksichtigt das nicht-kontrollieren europäischer Textilfirmen nicht, dass auch in der EU unter schlechten Bedingungen produziert wird und schädliche Stoffe eingesetzt werden.

Fazit

Der grüne Knopf ist ein erster Schritt, um Verbrauchen eine breitere Auswahl an Textilien zu bieten, die unter besseren Bedingungen gefertigt wurden.

Zwar sind einige Kritikpunkte durchaus berechtigt, mit einer Erweiterung auf die ganze Produktionskette wird der Grüne Knopf in Zukunft noch aussagekräftiger werden.

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