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Nachhaltigkeit im Alltag: Kleine Tricks mit großer Wirkung

8 Minuten Lesezeit

Nur ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag: Ökstrom

Spätestens seit dem Hitzesommer 2018 mit seiner langen Dürre ist der Klimawandel auch bei uns angekommen. Dieser Herausforderung können wir nur mit mehr Nachhaltigkeit im Alltag begegnen. Was anstrengend klingt lässt sich jedoch in vielen Fällen ganz leicht umsetzen.



Ernährung

Die Art und Weise wie wir uns ernähren wirkt sich stark auf aus das Klima aus. 800 Kilogramm Emissionen pro Person könnten in Deutschland vermieden werden, wenn die Menschen sich gesünder ernähren und weniger Lebensmittel entsorgen würden.

Fleisch

Geht es nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollte der Konsum von Fleischprodukten bei 600 Gramm pro Woche liegen. Mit durchschnittlich 1kg pro Woche liegt man in Deutschland jedoch deutlich darüber. Das ist nicht nur aus gesundheitlicher Sicht problematisch sondern belastet auch das Klima. Für die Fleischproduktion müssen Jährlich viele Hektar Wald für Weideland weichen. Das hat zur Folge, dass für ein Kilo Rindfleisch etwa 25-40 Tonnen C02 ausgestoßen wird. Das ist in etwa so viel, wie ein normalgroßes Auto auf 250 km ausstößt.

Gut fürs Klima: Ein vegetarischer Burger

Die Haltbarkeit von Lebensmitteln

Eine noch größere Belastung für das Klima entsteht durch das Wegwerfen von Lebensmitteln. Das ist vor allem deshalb traurig, weil häufig Lebensmittel auf dem Müll landen, die noch genießbar sind. Dabei kann das Mindesthaltbarkeitsdatum bei vielen Produkten Problemlos überschritten werden:

  • Milch ist ungeöffnet noch bis zu 3 Tage nach Ablauf des MHD genießbar
  • Gefrorenes Gemüse oder Obst kann auch noch ein halbes Jahr nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums gegessen werden
  • Selbst Fleischprodukte wie Schinken oder Salami können noch ca. 5 Tage über dem MHD gegessen werden.
  • Informationen zu weiteren Produkten findest du hier (PDF).

Der WWF hat ausgerechnet, dass durch eine gesündere Ernährung und weniger Lebensmitteln auf dem Müll 4 Mio. Hektar Land zurückgewonnen werden könnten. Dies würde für eine Entlastung in Höhe von 67 Millionen Tonnen an CO2 sorgen. Was abstrakt klingt entspricht 5,5 Millionen Neuwagen mit einer Laufleistung von je 100.000 km (Quelle).

Lösung: Die Reduktion von Lebensmittelabfällen und etwas weniger Fleischkonsum können recht einfach für mehr Nachhaltigkeit im Alltag sorgen.

Lange Transportwege vermeiden

Lebensmittel, die außerhalb Deutschlands angebaut werden, weisen aufgrund langer Transportwege auch eine schlechte Umweltbilanz auf. Da dieser Fakt für viele Konsumenten immer bewusster wird, ist die Regionalität der Produkte immer gefragter.

Je nach Produzent kann „regional” dabei auf einen bestimmten Umkreis, Region oder Bundesland beschränkt sein. In einer globalisierten Welt haben wir uns aber an die ständige Verfügbarkeit der Produkte gewöhnt, weshalb es uns sehr schwer fallen würde, ohne Kaffee oder Nüsse auszukommen.

Es wird nicht von Dir erwartet, die morgendliche Tasse Kaffee mit regionalem Dinkelkaffee zu tauschen. Stattdessen solltest Du Dir darüber Gedanken machen, ob Du im Dezember Tomaten aus Südspanien oder Nordafrika oder im Sommer Gurken und Salat aus Marokko oder Israel kaufen musst. Neben der Transportwege ist bei Anbau außerhalb der EU auch entscheidend, dass deutlich mehr und schädlichere Pestizide eingesetzt werden können.

Gesund und nachhaltig: Saisonales Gemüse

Nachhaltigkeit im Alltag umfasst jedoch nicht nur die Umwelt, sondern auch die Menschen. Mit dem weltweiten FairTrade-Logo werden Produkte ausgezeichnet, welche von “fair” bezahlten Arbeitern unter angemessenen Arbeitsbedingungen hergestellt oder angebaut wurden. Bei Produkten, die nicht regional in Deutschland angebaut werden können wie zum Beispiel Kaffee oder Reis, kannst Du die lokalen Arbeiter unterstützen und dazu beitragen, dass auch in der Zukunft die besten Kaffeebohnen ihren Weg nach Europa finden.

Lösung: Halte beim Lebensmittelkauf Ausschau nach regionalen Produkten, die einen deutlich kleineren CO2 Fußabdruck haben wie Produkte aus Übersee. Mit Hilfe eines Saisonkalenders hast du immer im Blick welche Lebensmittel aktuell in Deutschland Saison haben (Saisonkalender fürs ganze Jahr: Obst und Gemüse – GEO).Beim Kauf von Schokolade oder Kaffee helfen die Siegel wie das von Fair Trade etwas Gutes zu tun.

Konsum

Neben der Ernährung ist auch unser restlicher Konsum nicht immer einfach für die Umwelt. Besonders Plastik steht dabei immer wieder in der Kritik. Fakt ist, dass Plastik sehr praktisch ist. Es erlaubt uns unter anderem, Lebensmittel so zu verpacken und transportieren, dass sie von anderen Gegenständen abgeschirmt sind. Problematisch ist jedoch, dass beim Zerfall von Plastiktüten Mikroplastik entsteht, das unlöslich ist und unter anderem durch illegal abgeladenen Müll in Gewässer gelangt.

Die Plastiktüte

Seit 2016 dürfen Plastiktüten laut Abkommen mit dem Deutschen Einzehlhandelverbandes an den Kassen von Einzelhandelsgeschäften nur noch kostenpflichtig abgegeben werden. Das Gesetz zeigt Wirkung, da 2017 29 Tüten pro Kopf in Deutschland abgegeben worden sind, was 16 weniger sind als im Vorjahr. Trotzdem ist diese Zahl noch deutlich zu verringern. Dünne Stoffbeutel verbrauchen nicht viel Platz und können täglich problemlos in Tasche oder Rucksack mitgeführt werden, bis sie beim Einkauf zum Einsatz kommen.

Ein Umwelt-Alptraum: Plastikmüll im Meer

In die obige Statistik sind übrigens keine extra dünnen Plastiktüten einberechnet, welche kostenlos in der Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt für Kunden zur Verfügung stehen. Da diese Tüten über keinen Henkel verfügen und kein großes Gewicht aushalten, ist ihr Anwendungsspektrum äußerst gering. Deshalb werden sie meist sofort beim Einsortieren von Obst und Gemüse weggeschmissen.

Lösung:Um diese kurzlebigen Tüten zu vermeiden, ist es empfehlenswert, die Lebensmittel je nach Verfügbarkeit in Papiertüten oder aber gar nicht einzupacken. Plastiktüten sind nämlich nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für frische Lebensmittel. Gerade Bananen oder eher weiches Obst und Gemüse verderben in Plastiktüten weitaus schneller.

Wenn keine Tüten zur Verfügung stehen, sehen es Konsumenten häufig als unhygienisch an, wenn Gemüse ohne Verpackung auf dem Kassenband liegt. Zuhause wird es aber ohnehin gründlich gewaschen, weshalb Du Dich nicht darum sorgen musst. Beim Einpacken der Einkäufe muss lediglich darauf geachtet werden, dass weiches Obst und Gemüse oben platziert werden. Alternativ gibt es mehr und mehr sogenannte “Unverpackt” Läden, in denen Lebensmittel ohne Plastikverpackung angeboten werden. Stattdessen bringen Konsumenten ihre eigenen Behältnisse mit, um frische Lebensmittel aber auch trockene wie Nudeln oder Linsen abzufüllen.

Apropos Müll: Um Deinen Plastikmüll einzuschränken, lohnt sich zum Beispiel die Anschaffung einer Glasflasche mit schützendem Mantel oder einer BPA-freien Flasche. Die Flaschen geben beim Befüllen kein Mikroplastik ab und der Kauf von Plastikflaschen wird vermieden.

Kleidung und Nachhaltigkeit

In der heutigen Konsumgesellschaft ist es dank Billigkleidung problemlos möglich, ständig an günstige Kleidung zu kommen. Jedoch wird ein T-Shirt für fünf Euro höchstwahrscheinlich von Arbeitern unter extrem schlechten Bedingungen in Fabriken mit einem hohen Schadstoffausstoß hergestellt.

Lösung: Anstatt täglich oder wöchentlich neue Shirts zu kaufen, welche leicht kaputt gehen, greife lieber zu hochwertigen Stücken, wenn möglich mit Baumwolle aus nachhaltigem Anbau. Setze auf Naturmaterialien wie Baumwolle und nicht auf chemisch hergestellte oder Kunststoffprodukte wie Polyester, Elasthan oder Polyamid. Außerdem gibt es auch Kleidung aus recyceltem Plastik.

Waschmaschine und Kleidung – Beides könnte nachhaltiger sein

Mikroplastik in der Kosmetik

Täglich werden Reinigunsprodukte wie Duschgel, Peeling oder Shampoo genutzt. Leider enthalten diese häufig das oben genannte Mikroplastik, da die Mikroperlchen durch ihren Peeling-Effekt unter anderem dafür sorgen, dass abgestorbene Hautschuppen abgetragen werden. Aus zwei Gründen solltest Du auf diese Produkte verzichten: Zum einen kann häufiger Konsum für Hautunreinheiten sorgen Zum anderen gelangt das Mirkoplastik in der Dusche in das Grundwasser, was sich nicht nur negativ auf die Trinkwasserqualität auswirkt sondern auch tödlich für alle Meeresbewohner sein kann.

Lösung: Achte deshalb beim Kauf von Reinigungsprodukten darauf, dass kein Polyethylen enthalten ist oder greife direkt zu Naturkosmetik oder biologisch abbaubarem Waschmittel.

Strom & Mobilität

Noch immer wird der Strom in Deutschland nicht vollständig aus erneuerbaren Energien gewonnen. Wer Nachhaltigkeit im Alltag leben möchte, kann also auch beim Stromverbrauch ansetzen. Strom kann nur gespart werden, wenn Du weißt, wo die Stromfresser lauern. Das Licht auszuschalten, wenn Du ein Zimmer verlässt, ist zwar einfach aber nicht immer ein guter Tipp. Energiesparende LED-Lampen brauchen nach dem Einschalten eine gewisse Zeit, bis sie ihre volle Leuchtkraft ausstrahlen. Ein An- und Ausschalten in kurzen Abständen verbraucht meist mehr Strom als das Anlassen für etwa 20 Minuten und verlängert zudem die Lebensdauer.

Lösung: Mit ein paar einfachen Tricks kannst du den Stromverbrauch in deinem Haushalt senken, CO2 sparen und deinen Geldbeutel schonen:

  • Schalte Standby-Geräte aus, wenn du sie nicht brauchst. Mit einer Steckdosenleiste mit Schalter ist das auch für mehrere Geräte ganz einfach.
  • Achte beim Neukauf von Elektrogeräten auf deren Energieeffizienz, besonders bei Weißer Ware kann hier einiges an Strom gespart werden
  • Füll den Wasserkocher nur mit so viel Wasser, wie du wirklich brauchst
  • Wasche deine Wäsche mit möglichst niedrigen Temperaturen, in den meisten Fällen reichen 30 °C völlig aus
  • Auch beim Heizen kann eine ganze Menge Strom gespart werden, je nach Art der Heizung gibt es verschiedene Möglichkeiten

Kommt aus deiner Steckdose schon erneuerbare Energie?

Ganz ohne Strom geht es aber auch nicht. Entscheidest Du Dich jedoch für Ökostrom, dann setzt Du auf die erneuerbaren Rohstoffe wie Wind, Sonne und Holz. Im Gegensatz zur Verbrennung von Holzkohle, Erdgas oder Öl wird dabei kein CO2 freigesetzt.

Doch Vorsicht: Nicht jeder „Ökostrom“ wird dabei aus 100% erneuerbaren Energien gewonnen. Häufig werden lediglich Investitionen getätigt um die schlechte Klima-Bilanz des Stroms auszugleichen. Eine Übersicht über die reinen Ökostromanbieter findest du hier.

Bus, Bahn und bewusstes Fliegen

Gerade dann, wenn Du in Deinem Auto häufig ohne Mitfahrer fährst, dann ist der CO2-Ausstoß pro Person besonders groß. Ein Ansatz ist es deshalb Fahrten alleine zu reduzieren und durch Mitfahrgelegenheiten den CO2-Ausstoß pro Kopf vermindern. Bekannte Anbieter sind für weitere Strecken BlaBlaCar.de oder für kürzere Strecken oder das Pendeln flinc

Wenn Du Dein Auto selbst für Mitfahrer anbietest oder es aber bei Carsharing-Portalen zur Verfügung stellst, lässt sich außerdem etwas Geld verdienen.

Nachhaltig und gesund: Das Fahrrad

In Städten ist das Fahrrad häufig nicht nur die nachhaltigste Fortbewegungsmöglichkeit (neben dem Laufen natürlich), sondern auch die schnellste und kostengünstigste. Viele deutsche Innenstädte sind überfüllt und stellen Autofahrer auf die Geduldsprobe. Wenn dann auch noch Parkgebühren hinzukommen, dann lohnt sich das Autofahren in der Stadt kaum. Bei einer geringen Auslastung des Autos ist es deshalb ratsam, das Fahrrad oder den ÖPNV zu nehmen. Gerade für Pendler oder Personen, die ein Monats- oder Jahresticket benötigen, gibt es attraktive Rabatte.

Die Sache mit dem Fliegen

Leider ein großer Klima-Killer: Das Flugzeug

Wer jährlich mehrmals fliegt, lässt seinen persönlichen CO2-Verbrauch kräftig ansteigen, da das Fliegen das wohl umweltschädlichste Fortbewegungsmittel ist. 5 – 10% des CO2-Ausstoßes geht auf das Konto von Flugreisen. Das soll nicht heißen, dass Du zukünftig auf dem Segelschiff von Frankreich nach Amerika fahren sollst. Viel mehr soll dieser Fakt dazu anregen, die europäischen Billigflieger sowie innderdeutsche Flüge in Frage zu stellen. Wird die Anfahrt sowie das Warten am Flughafen mitgerechnet, so ist ein Inlandsflug in den allermeisten Fällen nicht schneller als der Zug.

Lösung: Wer nicht aufs fliegen verzichten will kann mittlerweile auch bei vielen Airlines beim Kauf des Flugtickets einen kleinen Mehrpreis zu bezahlen, um den persönlichen CO2-Ausstoß der Flugstrecke zu verringern.

Fazit: Nachhaltigkeit im Alltag

Du siehst, die ersten Schritte zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag sind leicht gemacht und helfen nicht nur der Umwelt sondern auch der Gesundheit. (Konsum-) Gewohnheiten, die wir seit unserer Kindheit kennen lassen sich leider nicht von heute auf morgen ändern. Umso wichtiger ist es also zunächst ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu entwickeln und dieses nach und nach zu verinnerlichen. Wie viel Nachhaltigkeit du in denen Alltag integrierst liegt also ganz an dir, wichtig ist nur, dass es beginnt.


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